Buch

Aus dem Leben eines Windsurfers

1. Fahrt und Ankunft Kamperland
2. Surfen am Veersemeer
3. Fuerteventura

Fahrt und Ankunft Kamperland
Rummms….. „Jesus Christ, what was that?“, dachte ich bei mir und schaute Heiko an. Mit einem mächtigen Krach waren wir nach ein paar Metern wieder auf der Straße gelandet. Was war passiert? Heiko und ich saßen in meinem Suzuki mit dem selfmade Windsurf-Anhänger, auf dem wir 4 Surfbretter samt Masten und Gabeln verstaut hatten. Wir fuhren gerade durch Kapellen durch. Oder war es schon Putte? Auf jeden Fall eines dieser kleinen Orte, die durch die niederländisch-belgische Grenze geteilt sind und wo der Grenzübergang nur durch das Schild „Douane“ erkennbar ist. Es war schon spät und die Straßen waren menschenleer und es mag sein, dass wir die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h etwas überschritten haben. Ich möchte mich da jetzt nicht mehr festlegen. Auf jeden Fall war diese Strecke für uns neu, denn es war mein erster Surf-Trip mit eigenem Auto, kurz nach meinem 18. Geburtstag. Und somit wussten wir auch nicht, dass mitten über die Hauptstrasse ein unbeschrankter Bahnübergang geht, welcher dem Straßenniveau etwas angehoben ist. Genau soviel, dass es ausreicht ca. 5 Meter weit mit unserem Surfgespann zu fliegen. Und als ich gerade anfangen wollte, mein Leben Revue passieren zu lassen, landeten wir schon wieder auf der Straße, deren Fahrbahnbelag sich jetzt von Teer zu Pflastersteinen geändert hatte, was das Bremsen deutlich erschwerte. Unser erster Gedanke nach der Landung war: „Die Bretter!“ Hoffentlich ist noch alles ganz. Wir hielten also an und vergewisserten uns, dass die Surfbretter nichts abbekommen hatten. Jörg und Stefan, die uns in Jörg´s rotem Fiesta folgten, hielten ebenfalls an und fragten, ob alles ok sei. „Klar, weiter“, grinste ich Ihnen nur entgegen. Wir konnten ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, dass der Anhänger nicht für Flüge konzipiert war und deshalb die vordere Brettstütze, die wie ein V aussah und auf der Längsachse montiert war, langsam Ihren Geist aufgab. Also fuhren wir weiter, Richtung Veersemeer. Laut meinen Angaben sollten wir das holländische Meer in ca. 1 Stunde erreichen. Wir waren ja schon 3 Stunden von Köln aus unterwegs und meine Angaben waren auch fast immer richtig. Außer in Aachen, als Jörg an mir vorbeifuhr und mir etwas mitteilen wollte. Ich dachte, er wollte Kaffee, denn ich hatte einen Camping-Kaffeekocher im Auto und Heiko bereitete gerade den Kaffee zu. In Wirklichkeit aber wollte Jörg mir nur sagen, dass ich in Richtung Aachen Innenstadt unterwegs war und nicht die Abfahrt Richtung Holland genommen hatte, was aber nur an den falschen Europa-Kennummern der Autobahnen in meiner Straßenkarte lag.   Um 23:00 Uhr kamen wir dann endlich in Kamperland am Veersemeer an. Ich hatte über das Telefon ein Hotel gebucht. Wir checkten also ein und wollten daraufhin noch etwas essen, aber die Hotel-Küche war schon zu. Also setzten wir uns auf unser Zimmer und sprachen über unseren ersten gemeinsamen Surftag, der in wenigen Stunden folgen sollte. Wir hatten Hunger und Durst, aber das Einzige, was wir in unseren Taschen fanden, waren Gummibärchen, eine Flasche Whiskey und Cola. Hmm.. also Whiskey-Cola. Wenn wir früher schon Red Bull gekannt hätten, hätten wir wahrscheinlich auch die Gummibärchen ins Glas geschmissen und es so Red Bull Whiskey getauft. Aber in Deutschland gab´s Red Bull zu dieser Zeit noch nicht, weil da wahrscheinlich wieder irgendetwas drin war, was unserem Gehirn schaden könnte. Und so ließ man zunächst Red Bull den Österreichern vorbehalten, da konnte es ja nicht mehr viel anrichten. Die Stunden vergingen und wir redeten immer weiter, bis auf einmal ein Mann in der Tür erschien, sich als Hotelinhaber ausgab und uns höflich bat, das Hotel am nächsten Morgen wieder zu verlassen, weil unsere Stimmlage doch wohl etwas zu laut war und – gemäß dem Inhaber – das Gemüt einiger Hotelgäste erhitzt hätte. Surfen am Veersemeer Da standen wir dann also am nächsten Morgen: 4 Surfbretter, 4 Masten, 4 Gabeln, mehrere Segel, Kleinkram und Koffer… und kein Hotel…. „Jetzt gehen wir erst einmal surfen“, gab Jörg von sich. Und so fuhren wir zum nahen Veersemeer und packten unser Surfmaterial aus. Der Wind war noch schwach, zu schwach, also entschieden Heiko und ich, dass wir in der Zwischenzeit mal nach einer neuen Bleibe Ausschau halten würden. Irgendwo mussten wir ja übernachten. Wir fuhren also zum VVV, dem holländischen Fremdenverkehrsverein und fragten dort, ob es eine Übernachtungsmöglichkeit gäbe. „Nichts zu machen, es ist Pfingsten!“, teilte uns die nette Dame in Rudi-Carell-Deutsch mit. Wir warteten und machten ein Gesicht, als wenn wir gleich erstochen würden, um vielleicht doch noch Erbarmen in ihr aufkommen zu lassen. Nach erneuter Anfrage sagte sie uns, dass es noch ein kleines Haus gäbe, der Standard aber nicht sehr hoch sei und das Haus recht klein wäre. Und der Preis? 100 Gulden? Pro Tag? „Nein, für 5 Tage“, wiedersprach sie uns. 100 Gulden für  Tage….perfekt! Ist gebonkt. Zurück am See war die Freude groß und Jörg meinte nur, dass da irgendein Haken sein müsste, 100 Gulden für 5 Tage sei nicht realistisch. Wir packten also unsere Sachen, es war ja sowieso kein Wind und fuhren in dieses kleine Dorf, Richtung neues Heim. Da stand es, unser kleines Haus. Der erste Eindruck entsprach genau Heiko`s Ausschrei: „Geil!“ Das wird unser neues Surferheim. Das Wohnzimmer war recht groß, Küche und Badezimmer immer noch groß genug. Eine sehr steile Treppe mit dickem Tau als Geländer entfremdet führten hoch zum Schlafzimmer. Vier Materassen und ein Bett. Das reicht, super!Das Haus war nett eingerichtet, eine alte Singer Nähmaschine aus Annodazumal und eine Leder-Couch Garnitur. Wir konnten gar nicht verstehen, dass der Inhaber nur 100 Gulden für 5 Tage haben wollte. Erst, als Stefan aus der Dusche kam und meinte, wir müssten noch Anti-Kakalaken Spray kaufen und wir dann auch noch feststellten, dass eine Seite der Decke nach unten, die andere Seite aber nach oben gewölbt waren, fragten wir uns, ob 100 Gulden nicht vielleicht doch etwas zu viel gewesen wären…. Trotzdem fuhren wir frischen Mutes zum See und wollten nun endlich surfen. Endlich die langersehnte Powerhalse und den Wasserstart lernen. Das Veersemeer ist der ideale Platz, um diese Manöver zu erlernen, denn man kann fast überall stehen und wenn man abtreibt, landet man höchstens auf der gegenüberliegenden Seite des Sees. Trotzdem herrscht auf dem See oft sehr viel Wind vor und es baut sich sogar eine kleine Welle auf. Das Veersemeer ist von der Nordsee nur durch einen Deich getrennt und somit zieht es viele Surf-Enthusiasten an, die sich zunächst im See austoben, um dann in der Nordsee mit dem Board baden zu gehen. So tobten auch wir uns im Binnenmeer aus, mit Bierflaschen bewaffnet traten wir zum Kampf der Gewalten an. Mensch gegen Material, also Bölkstoff. Aber wir hatten unseren Spaß und verbrachten unseren ersten Surfertag zwar windlos, aber vergnügt und befriedigt. Morgen ist bestimmt Hack! Und es kam wie es sollte. Geweckt wurde ich durch Stefan`s lauten Ausruf „Wiiiiind“. „Watt iss? Hammwa Hack?“, fragte ich Stefan in einer verkölschten Surfersprache, gerade aus meiner Rem-Phase entrissen. „Ja, der Ast hat sich gerade bewegt!“, teilte er mir lächelnd mit. Na super, bitte Petrus sagen, er möchte sich noch ein paar Stunden gedulden, ich muss noch wach werden. So fuhren wir also mitsamt dem Material zum See, unserem ersten gemeinsamen Surftag entgegen.  Der Wind war noch schwach und Heiko noch im Tiefschlaf und wohl noch nicht ganz Herr seiner 6 Sinne, anders könnte man seinen Ausschrei am See vor allen Leute mit gestreckten Armen gen Himmel wohl nicht erklären: „Petrus, blas mir einen!“ Ich hoffte nur, dass die Holländer nicht so gut Deutsch verstünden, um diesen zweideutigen Ausruf nicht als Kriegsaufforderung mißzuverstehen. Doch nach Betrachten der Auto-Kennzeichen ringsherum fragte ich mich, ob wir tatsächlich in Holland sind oder zwischen Dortmund und Essen.Der Wind war noch zu schwach und wir legten uns ins Gras und hörten „Udo Lohmeier“, eines unserer Lieblingsstücke auf Jürgen von der Lippe`s Kassette. Wenn Jürgen von der Lippe wüsste, wie sehr er unsere Jugend geprägt hat…Der Wind frischte auf und so bauten wir unser Material auf. Jörg seinen 350er Marlin, Stefan den F2 Bullit, ich meine Fanatic Viper und Heiko… surfte der auch? Ach ja, er hatte einen selbstgebauten Sinker und merkte gleich am ersten Tag, dass ein Sinker Sinker heißt, weil er sinkt.Ich baute mein von Aki ausgeliehenes 7er Segel auf und wir machten erst einmal ein paar Trockenübungen auf der Wiese. So geht also die Halse… gut. Das probieren wir später auf dem Wasser aus. Der Wind frischte tatsächlich auf und das 7er Segel musste natürlich gegen ein 5er eingewechselt werden. So verbrachten wir unseren ersten gemeinsamen Surftag auf dem Veersemeer, meist unter dem Brett oder Segel, aber wir lernten eine Menge dazu. Zum Beispiel, dass man sich in starken Böen besser aus dem Trapez aushängen sollte, weil – für den Betrachter zwar immer wieder ein spektakulärer Anblick – für die Knochen aber ein kapitaler Schleudersturz mit eingehängtem Trapez einen bösen und bekannten Ausgang haben kann, nämlich dem Gang zur Apotheke, um Mobilat zu kaufen. Mit geschundenen Knochen, aber mit bis über beide Ohren strahlendem Gesicht packten wir unser Material am Ende des Tages zusammen und traten unseren Heimweg zum Surferhaus an. „Rummms!“ Schon wieder?? Was war das? Ein Bahnübergang? Aber wir sind doch noch auf dem Parkplatz. Das darf doch nicht wahr sein, dachte ich und sprang aus meinem Auto raus. Da hatten die Käsköppe doch tatsächlich 50cm hohe Pflöcke in die Erde gehauen, um die Parkplätze abzugrenzen! Der Parkplatz war voller Autos und die Pflöcke nicht zu erkennen, da sie hinter den Autos versteckt waren. So, nun hatte ich also auch noch eine Beule in der vorderen Stoßstange. Der erste Surftag war geschafft. In den weiteren Tagen lernten wir dank der tollen Bedingungen viele Manöver und besser surfen. Die Powerhalse, die allerdings noch mehr Halse als Power war, gelang schon nach 2 Tagen. Das tolle Pfingstwetter und die Beschaffenheit des Sees taten ihr Übriges dazu. Besonders die Tatsache, dass man in dem See an vielen Stellen stehen konnte, half uns den Wasserstart in den 2 darauf folgenden Tagen zu erlernen. Obwohl ich surfen schon mit 9 Jahren gelernt hatte, waren dies meine 2 einschneidigsten Erfolge in meiner Surferkarriere. Wasserstart und Halse sind die Grundvoraussetzung für`s Funboard Fahren und von da an veränderte sich meine Surf-Karriere. Wenn ich zurückdenke, wie schwer ich es noch ein paar Jahre vorher hatte, als ich versuchte mit dem Mistral Competition eine Halse zu fahren. Meine Kraft reichte damals nur zur Wende und Fußschlaufen gab es schon gar nicht. Obwohl der Competition schon eine Stufe besser war als mein Vorgänger-Surfbrett, der Mistral Allround, den eine Gummikante rund um das Brett herum unverwechselbar verzierte.

Fuerteventura

Ich hatte mir endlich mein langersehntes Surfermobil gekauft: Einen Merzedes 508D als Camper ausgebaut, 7 Meter lang mit Nasszelle, Webasto Standheizung und Leiter zum Aufstieg aufs Dach mit den 4 Dachgepäckträgern. Zwar gab es ab und an mal Parkplatz-Schwierigkeiten, besonders in Bad Waldliesborn, dem kleinen Kurort, indem ich studiert habe. Bad Waldliesborn (nahe Lippstadt) hat nur eine grössere Strasse durch den Ort und diese war voll von Schwellen, wie sie in verkehrsberuhigten Zonen eingesetzt werden. Mein 5-Tonner flog mit einer so grossen Leichtigkeit über diese Bodenwellen, daß jedesmal das Geschirr aus dem Schrank fiel. „Walibo“, wie wir Studenten Bad Waldliesborn liebevoll nannten, war also nicht der richtige Übungsplatz für mein Surfmobil. Ein härteres Übungsgelände musste her! Sand, Strand, Dünen, Wind und Wasser. Das brauchte mein Gefährt. Und wo gibt es alle diesen Naturerscheinungen zusammen? „Sotavento“ schoss es mir sofort durchs Gehirn. Sotavento ist die Landenge im Süden Fuerteventuras, durch welche der Passat-Wind verstärkt hindurchfegt und Mensch und Surfbrett mit bis zu 8 Beaufort bereichert und strapaziert. Aber vor Allem auch mein Auto! Der Plan war geschmiedet, sobald ich mein Studium in der Tasche habe, soll´s losgehen, auf die Kanaren. Ich besprach die Reise mit meinem Surfer-Freund Puschl aus Wien. Er war sofort Feuer und Flamme und folglich mit von der Partie. Wir hatten also nur noch ein winzigkleines Problem: Den Uni-Abschluss…Viele Monde verstrichen, ja sogar mehrere Vollmonde… der Uni Abschluss war immer noch nicht in greifbare Nähe gerückt. Doch dann kam die rettende Lösung: ich beschloss, den zweiten Teil meines Studiums in den USA fortzusetzen. Die Termine wollten es so, daß ich bis zur Abreise nach Amerika noch ein paar Monate Zeit hatte, also war die Entscheidung schnell getroffen: jetzt oder nie! Ab nach Fuerte! Puschl hatte Zeit und unserem Abenteuer-Trip stand also nichts mehr im Wege. Es war Juni 1992 (eigentlich Sommer 1989 !!), die windigsten Monate in Fuerte standen uns also unmittelbar bevor. Der Passat entwickelt in Fuerteventura besonders im Juli und August seine volle Kraft.Ich hatte also noch ein paar Wochen Zeit, mein Surfmobil fit zu machen. Mit Steff schweisste ich noch einen Volvo-Sitz hinters Lenkrad, vergaß allerdings, mir eine Schweisserbrille aufzusetzen. Sein Tip, mir abends halbe Kartoffeln auf meine glühenden Augen zu legen, verhinderte Schlimmeres. Das Auto bekam noch ein paar Hokus Pokus und Easy Rider Sticker verpasst und war fortan reisefertig. Da Puschl aus Wien kam und ich aus Köln, verabredeten wir uns auf halber Strecke, na ja, zumindest noch in Deutschland, nämlich in Rosenheim. Ich fuhr also mit meinem Brummi los nach Rosenheim. Dort stand er auch schon, an der Tankstelle, mitsamt seinem Material, Board- und Segelbag, Koffer, Taschen usw. Komischerweise hatte die Polizei ihn für einen Tramper gehalten und ihn einer Ausweiskontrolle unterzogen. Fehlte nur noch das Pappschild „Fuerte“ vor seiner Brust…Nun begann sie also, unsere langersehnte Reise, DER Surfurlaub schlechthin. Fuerte, das Ziel aller Windsurfer, zumindest der Speedfreaks unter den Surfern, denn die anderen ziehen wahrscheinlich Hawaii vor. Da die Fahrt nach Cadiz recht lang zu werden schien, wechselten wir uns mit dem Fahren ab. So ungefähr bei Barcelona, ich hatte mich gerade hinten hingelegt und war eingeschlafen, gab es einen lauten Rumms und ich viel mitsamt Schlafsack vom Bett in Richtung Führerhaus. „Was ist los?“ fragte ich aufgeregt Puschl, nachdem ich nach vorne getorkelt war. „Äh, öh, ….. Leitplanke“, erwiderte mir ein soeben aufgewachter Fahrer. Das war er also, der Sekundenschlaf, über den der 7. Sinn immer wieder berichtete. War ja noch mal gut gegangen, außer einer verbeulten Stoßstange hat mein Surfmobil es überlebt. Die Stoßstange bogen wir auf der nächsten Raststätte mit einem Laternenmast und dem Abschleppseil wieder gerade. Die Fahrt konnte weitergehen. Nach zweieinhalb Tagen waren wir in Cadiz angekommen, vorbei an einem windlosen Tarifa und einem spiegelglatten Canos de Meca. Die Überfahrt mit der Fähre von Cadiz nach Fuerteventura, über Teneriffa und Gran Canaria, dauerte 3 Tage. Mit Hilfe eines Camping-Gaskochers verspeisten wir die erste von über 50 Ravioli-Dosen. Das ganze Auto war voller Ravioli-Dosen, wir hätten uns von Erasco sponsern lassen sollen. Nach nichtaufhören wollenden quälenden 3 langen Tagen erreichten wir endlich Fuerteventura, unser Ziel. Schon die ersten Tage bekamen wir die volle Passatkraft zu spüren. Zerrissene Segel, gebrochene Masten, lädierte Waden und Füße. Zum Glück hatten wir genug Ersatz fürs Material und Silvertape für die Füße dabei. Mein Camper stand direkt am Strand (damals war das Campen am Strand noch erlaubt, heute ist dies leider verboten), zusammen mit ein paar Franzosen, die in dort zelteten und einem deutschen Martin, der mit einem Kasten Milch in TetraPaks im Boardbag schlief. Wir luden ihn daraufhin zum Schlafen in unser Auto ein. Das Campen am Strand war wunderbar, wir konnten früh morgens und spät abends surfen, dann wenn die Touri-Surfer aus Jandia entweder noch nicht da waren oder schon wieder in Richtung Bettenburgen zurück waren. Nachdem auch Mausy (Uwe) uns noch besuchte, waren die 3 Musketiere vollzählig und konnten sich in die Schlacht um den besten Cheeseroll stürzen. In der Tat machten wir täglich dutzende Cheeserolls, die von Cesare Cantagalli erfunden über`s Segel gesprungene Frontloops. Einziges Problem dabei war, dass es meistens mit 9 Beaufort kachelte und die kleine Welle am Ende der Lagune nur in 50 cm hohem Wasser war, manche Landungen also etwas unsanfter verliefen. Marocco Im Sommer 1989 war ich mit meinen Eltern im Club Med in Agadir, Marokko und lernte dort den derzeitigen Surflehrer des Clubs kennen, Rachid Roussafi. Rachid lud mich für das nächste Jahr in seine Villa in Essaouira ein. Im August 1990 flogen wir (Puschl, Bodo und ich) nach Marokko. In Agadir nahmen wir uns den billigsten Mietwagen, den wir finden konnten, einen Renault R4 und wir hatten auch noch Glück. Von Agadir bis Essaouira verbrauchten wir nur einen Reifen und einen Keilriemen, aber wir kamen an. Am Strand trafen wir auch dann sofort Rachid, der uns zu seiner Villa begleitete. Wir hatten natürlich keine Unterkunft gebucht, denn Rachid`s Villa stand ja für uns bereit. Der Weg zur Villa kam uns aber recht merkwürdig vor, die Strassen wurden immer schlechter, die Häuser verfallener und rechts und links kroch der beissende Geruch von Mülldeponien in unser Auto.Und dann waren wir da! Eine kleine verfallene Häusersiedlung mit Müllplätzen rundum und seine „Villa“ in der Mitte. Das war sie nun, die Villa: Eine Garage mit 4 Matrazen, einem Tisch in der Mitte und einer Kerze auf dem Tisch! Ratten inklusive. Rachid hatte sich zwar Mühe gegeben, die Matratzen für uns organisiert, aber sollten wir hier wirklich 2 Wochen (über)leben? Wir brauchten jetzt erst mal ein kühles Bier. Wir fuhren also zum Strand und checkten erst einmal die Lage. Was sollen wir machen? Wirklich zwei Wochen in dieser Garage leben? Rachid hatte sich ja Mühe gegeben, aber wir würden mehr von Durchfall geplagt sein als Zeit zum Surfen zu haben. Eine Toilette war übrigens nicht vorhanden. Wir trafen auf ein deutsche Pärchen und erhielten eine Info für günstige Appartments. Das war die Lösung, eine Wohnung mit Toilette, herrlich. Das Appartment war auch in Ordnung, wir luden Rachid und seinen Cousin zu uns ein und wohnten alle zusammen in dem Appartment mit marokkanischer Toilette, sprich Plumsklo. Essaouira war ein hervorragendes Surfrevier und wir hatten viel Spaß, sind Cheesrolls gesprungen und haben Segel zerkleinert. Nach 1 Woche hatten wir auch ein Restaurant mit europäischer Toilette ausfindig gemacht, welches wir wegen des obligatorischen Durchfalls auch dringend brauchten. Als Dank, dass Rachid bei uns kostenlos wohnen durfte, lud er uns am Ende des Urlaubs in das Haus seiner Eltern in Agadir ein, wo wir ein köstliches Mahl mit viel Couscous und viel Liebe von seiner Mutter zubereitet zu uns nahmen. Rachid ist heute ein erfolgreicher Surfer mit eigener Surfschule in Dakhlar (Marokko) und Berichten über ihn in der „surf“.

Aus dem Leben eines Windsurfers 1. Fahrt und Ankunft Kamperland 2. Surfen am Veersemeer 3. Fuerteventura Fahrt und Ankunft Kamperland Rummms….. „Jesus Christ, what was that?“, dachte ich bei mir und schaute Heiko an. Mit einem mächtigen Krach waren wir nach ein paar Metern wieder auf der Straße gelandet. Was war passiert? Heiko und ich saßen in meinem Suzuki mit dem selfmade Windsurf-Anhänger, auf dem wir 4 Surfbretter samt Masten und Gabeln verstaut hatten. Wir fuhren gerade durch Kapellen durch. Oder war es schon Putte? Auf jeden Fall eines dieser kleinen Orte, die durch die niederländisch-belgische Grenze geteilt sind und wo der Grenzübergang nur durch das Schild „Douane“ erkennbar ist. Es war schon spät und die Straßen waren menschenleer und es mag sein, dass wir die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h etwas überschritten haben. Ich möchte mich da jetzt nicht mehr festlegen. Auf jeden Fall war diese Strecke für uns neu, denn es war mein erster Surf-Trip mit eigenem Auto, kurz nach meinem 18. Geburtstag. Und somit wussten wir auch nicht, dass mitten über die Hauptstrasse ein unbeschrankter Bahnübergang geht, welcher dem Straßenniveau etwas angehoben ist. Genau soviel, dass es ausreicht ca. 5 Meter weit mit unserem Surfgespann zu fliegen. Und als ich gerade anfangen wollte, mein Leben Revue passieren zu lassen, landeten wir schon wieder auf der Straße, deren Fahrbahnbelag sich jetzt von Teer zu Pflastersteinen geändert hatte, was das Bremsen deutlich erschwerte. Unser erster Gedanke nach der Landung war: „Die Bretter!“ Hoffentlich ist noch alles ganz. Wir hielten also an und vergewisserten uns, dass die Surfbretter nichts abbekommen hatten. Jörg und Stefan, die uns in Jörg´s rotem Fiesta folgten, hielten ebenfalls an und fragten, ob alles ok sei. „Klar, weiter“, grinste ich Ihnen nur entgegen. Wir konnten ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, dass der Anhänger nicht für Flüge konzipiert war und deshalb die vordere Brettstütze, die wie ein V aussah und auf der Längsachse montiert war, langsam Ihren Geist aufgab. Also fuhren wir weiter, Richtung Veersemeer. Laut meinen Angaben sollten wir das holländische Meer in ca. 1 Stunde erreichen. Wir waren ja schon 3 Stunden von Köln aus unterwegs und meine Angaben waren auch fast immer richtig. Außer in Aachen, als Jörg an mir vorbeifuhr und mir etwas mitteilen wollte. Ich dachte, er wollte Kaffee, denn ich hatte einen Camping-Kaffeekocher im Auto und Heiko bereitete gerade den Kaffee zu. In Wirklichkeit aber wollte Jörg mir nur sagen, dass ich in Richtung Aachen Innenstadt unterwegs war und nicht die Abfahrt Richtung Holland genommen hatte, was aber nur an den falschen Europa-Kennummern der Autobahnen in meiner Straßenkarte lag.   Um 23:00 Uhr kamen wir dann endlich in Kampland am Veersemeer an. Ich hatte über das Telefon ein Hotel gebucht. Wir checkten also ein und wollten daraufhin noch etwas essen, aber die Hotel-Küche war schon zu. Also setzten wir uns auf unser Zimmer und sprachen über unseren ersten gemeinsamen Surftag, der in wenigen Stunden folgen sollte. Wir hatten Hunger und Durst, aber das Einzige, was wir in unseren Taschen fanden, waren Gummibärchen, eine Flasche Whiskey und Cola. Hmm.. also Whiskey-Cola. Wenn wir früher schon Red Bull gekannt hätten, hätten wir wahrscheinlich auch die Gummibärchen ins Glas geschmissen und es so Red Bull Whiskey getauft. Aber in Deutschland gab´s Red Bull zu dieser Zeit noch nicht, weil da wahrscheinlich wieder irgendetwas drin war, was unserem Gehirn schaden könnte. Und so ließ man zunächst Red Bull den Österreichern vorbehalten, da konnte es ja nicht mehr viel anrichten. Die Stunden vergingen und wir redeten immer weiter, bis auf einmal ein Mann in der Tür erschien, sich als Hotelinhaber ausgab und uns höflich bat, das Hotel am nächsten Morgen wieder zu verlassen, weil unsere Stimmlage doch wohl etwas zu laut war und – gemäß dem Inhaber – das Gemüt einiger Hotelgäste erhitzt hätte. Surfen am Veersemeer Da standen wir dann also am nächsten Morgen: 4 Surfbretter, 4 Masten, 4 Gabeln, mehrere Segel, Kleinkram und Koffer… und kein Hotel…. „Jetzt gehen wir erst einmal surfen“, gab Jörg von sich. Und so fuhren wir zum nahen Veersemeer und packten unser Surfmaterial aus. Der Wind war noch schwach, zu schwach, also entschieden Heiko und ich, dass wir in der Zwischenzeit mal nach einer neuen Bleibe Ausschau halten würden. Irgendwo mussten wir ja übernachten. Wir fuhren also zum VVV, dem holländischen Fremdenverkehrsverein und fragten dort, ob es eine Übernachtungsmöglichkeit gäbe. „Nichts zu machen, es ist Pfingsten!“, teilte uns die nette Dame in Rudi-Carell-Deutsch mit. Wir warteten und machten ein Gesicht, als wenn wir gleich erstochen würden, um vielleicht doch noch Erbarmen in ihr aufkommen zu lassen. Nach erneuter Anfrage sagte sie uns, dass es noch ein kleines Haus gäbe, der Standard aber nicht sehr hoch sei und das Haus recht klein wäre. Und der Preis? 100 Gulden? Pro Tag? „Nein, für 5 Tage“, wiedersprach sie uns. 100 Gulden für  Tage….perfekt! Ist gebonkt. Zurück am See war die Freude groß und Jörg meinte nur, dass da irgendein Haken sein müsste, 100 Gulden für 5 Tage sei nicht realistisch. Wir packten also unsere Sachen, es war ja sowieso kein Wind und fuhren in dieses kleine Dorf, Richtung neues Heim. Da stand es, unser kleines Haus. Der erste Eindruck entsprach genau Heiko`s Ausschrei: „Geil!“ Das wird unser neues Surferheim. Das Wohnzimmer war recht groß, Küche und Badezimmer immer noch groß genug. Eine sehr steile Treppe mit dickem Tau als Geländer entfremdet führten hoch zum Schlafzimmer. Vier Matratzen und ein Bett. Das reicht, super!Das Haus war nett eingerichtet, eine alte Singer Nähmaschine aus Annodazumal und eine Leder-Couch Garnitur. Wir konnten gar nicht verstehen, dass der Inhaber nur 100 Gulden für 5 Tage haben wollte. Erst, als Stefan aus der Dusche kam und meinte, wir müssten noch Anti-Kakalaken Spray kaufen und wir dann auch noch feststellten, dass eine Seite der Decke nach unten, die andere Seite aber nach oben gewölbt waren, fragten wir uns, ob 100 Gulden nicht vielleicht doch etwas zu viel gewesen wären…. Trotzdem fuhren wir frischen Mutes zum See und wollten nun endlich surfen. Endlich die langersehnte Powerhalse und den Wasserstart lernen. Das Veersemeer ist der ideale Platz, um diese Manöver zu erlernen, denn man kann fast überall stehen und wenn man abtreibt, landet man höchstens auf der gegenüberliegenden Seite des Sees. Trotzdem herrscht auf dem See oft sehr viel Wind vor und es baut sich sogar eine kleine Welle auf. Das Veersemeer ist von der Nordsee nur durch einen Deich getrennt und somit zieht es viele Surf-Enthusiasten an, die sich zunächst im See austoben, um dann in der Nordsee mit dem Board baden zu gehen. So tobten auch wir uns im Binnenmeer aus, mit Bierflaschen bewaffnet traten wir zum Kampf der Gewalten an. Mensch gegen Material, also Bölkstoff. Aber wir hatten unseren Spaß und verbrachten unseren ersten Surfertag zwar windlos, aber vergnügt und befriedigt. Morgen ist bestimmt Hack! Und es kam wie es sollte. Geweckt wurde ich durch Stefan`s lauten Ausruf „Wiiiiind“. „Watt iss? Hammwa Hack?“, fragte ich Stefan in einer verkölschten Surfersprache, gerade aus meiner Rem-Phase entrissen. „Ja, der Ast hat sich gerade bewegt!“, teilte er mir lächelnd mit. Na super, bitte Petrus sagen, er möchte sich noch ein paar Stunden gedulden, ich muss noch wach werden. So fuhren wir also mitsamt dem Material zum See, unserem ersten gemeinsamen Surftag entgegen.  Der Wind war noch schwach und Heiko noch im Tiefschlaf und wohl noch nicht ganz Herr seiner 6 Sinne, anders könnte man seinen Ausschrei am See vor allen Leute mit gestreckten Armen gen Himmel wohl nicht erklären: „Petrus, blas mir einen!“ Ich hoffte nur, dass die Holländer nicht so gut Deutsch verstünden, um diesen zweideutigen Ausruf nicht als Kriegsaufforderung mißzuverstehen. Doch nach Betrachten der Auto-Kennzeichen ringsherum fragte ich mich, ob wir tatsächlich in Holland sind oder zwischen Dortmund und Essen.Der Wind war noch zu schwach und wir legten uns ins Gras und hörten „Udo Lohmeier“, eines unserer Lieblingsstücke auf Jürgen von der Lippe`s Kassette. Wenn Jürgen von der Lippe wüsste, wie sehr er unsere Jugend geprägt hat…Der Wind frischte auf und so bauten wir unser Material auf. Jörg seinen 350er Marlin, Stefan den F2 Bullit, ich meine Fanatic Viper und Heiko… surfte der auch? Ach ja, er hatte einen selbstgebauten Sinker und merkte gleich am ersten Tag, dass ein Sinker Sinker heißt, weil er sinkt.Ich baute mein von Aki ausgeliehenes 7er Segel auf und wir machten erst einmal ein paar Trockenübungen auf der Wiese. So geht also die Halse… gut. Das probieren wir später auf dem Wasser aus. Der Wind frischte tatsächlich auf und das 7er Segel musste natürlich gegen ein 5er eingewechselt werden. So verbrachten wir unseren ersten gemeinsamen Surftag auf dem Veersemeer, meist unter dem Brett oder Segel, aber wir lernten eine Menge dazu. Zum Beispiel, dass man sich in starken Böen besser aus dem Trapez aushängen sollte, weil – für den Betrachter zwar immer wieder ein spektakulärer Anblick – für die Knochen aber ein kapitaler Schleudersturz mit eingehängtem Trapez einen bösen und bekannten Ausgang haben kann, nämlich dem Gang zur Apotheke, um Mobilat zu kaufen.Mit geschundenen Knochen, aber mit bis über beide Ohren strahlendem Gesicht packten wir unser Material am Ende des Tages zusammen und traten unseren Heimweg zum Surferhaus an. „Rummms!“ Schon wieder?? Was war das? Ein Bahnübergang? Aber wir sind doch noch auf dem Parkplatz. Das darf doch nicht wahr sein, dachte ich und sprang aus meinem Auto raus. Da hatten die Käsköppe doch tatsächlich 50cm hohe Pflöcke in die Erde gehauen, um die Parkplätze abzugrenzen! Der Parkplatz war voller Autos und die Pflöcke nicht zu erkennen, da sie hinter den Autos versteckt waren. So, nun hatte ich also auch noch eine Beule in der vorderen Stoßstange. Der erste Surftag war geschafft. In den weiteren Tagen lernten wir dank der tollen Bedingungen viele Manöver und besser surfen. Die Powerhalse, die allerdings noch mehr Halse als Power war, gelang schon nach 2 Tagen. Das tolle Pfingstwetter und die Beschaffenheit des Sees taten ihr Übriges dazu. Besonders die Tatsache, dass man in dem See an vielen Stellen stehen konnte, half uns den Wasserstart in den 2 darauf folgenden Tagen zu erlernen. Obwohl ich surfen schon mit 9 Jahren gelernt hatte, waren dies meine 2 einschneidigsten Erfolge in meiner Surferkarriere. Wasserstart und Halse sind die Grundvoraussetzung für`s Funboard Fahren und von da an veränderte sich meine Surf-Karriere. Wenn ich zurückdenke, wie schwer ich es noch ein paar Jahre vorher hatte, als ich versuchte mit dem Mistral Competition eine Halse zu fahren. Meine Kraft reichte damals nur zur Wende und Fußschlaufen gab es schon gar nicht. Obwohl der Competition schon eine Stufe besser war als mein Vorgänger-Surfbrett, der Mistral Allround, den eine Gummikante rund um das Brett herum unverwechselbar verzierte. Fuerteventura Ich hatte mir endlich mein langersehntes Surfermobil gekauft: Einen Merzedes 508D als Camper ausgebaut, 7 Meter lang mit Nasszelle, Webasto Standheizung und Leiter zum Aufstieg aufs Dach mit den 4 Dachgepäckträgern. Zwar gab es ab und an mal Parkplatz-Schwierigkeiten, besonders in Bad Waldliesborn, dem kleinen Kurort, indem ich studiert habe. Bad Waldliesborn (nahe Lippstadt) hat nur eine grössere Strasse durch den Ort und diese war voll von Schwellen, wie sie in verkehrsberuhigten Zonen eingesetzt werden. Mein 5-Tonner flog mit einer so grossen Leichtigkeit über diese Bodenwellen, daß jedesmal das Geschirr aus dem Schrank fiel. „Walibo“, wie wir Studenten Bad Waldliesborn liebevoll nannten, war also nicht der richtige Übungsplatz für mein Surfmobil. Ein härteres Übungsgelände musste her! Sand, Strand, Dünen, Wind und Wasser. Das brauchte mein Gefährt. Und wo gibt es alle diesen Naturerscheinungen zusammen? „Sotavento“ schoss es mir sofort durchs Gehirn. Sotavento ist die Landenge im Süden Fuerteventuras, durch welche der Passat-Wind verstärkt hindurchfegt und Mensch und Surfbrett mit bis zu 8 Beaufort bereichert und strapaziert. Aber vor Allem auch mein Auto! Der Plan war geschmiedet, sobald ich mein Studium in der Tasche habe, soll´s losgehen, auf die Kanaren. Ich besprach die Reise mit meinem Surfer-Freund Puschl aus Wien. Er war sofort Feuer und Flamme und folglich mit von der Partie. Wir hatten also nur noch ein winzigkleines Problem: Den Uni-Abschluss…Viele Monde verstrichen, ja sogar mehrere Vollmonde… der Uni Abschluss war immer noch nicht in greifbare Nähe gerückt. Doch dann kam die rettende Lösung: ich beschloss, den zweiten Teil meines Studiums in den USA fortzusetzen. Die Termine wollten es so, daß ich bis zur Abreise nach Amerika noch ein paar Monate Zeit hatte, also war die Entscheidung schnell getroffen: jetzt oder nie! Ab nach Fuerte! Puschl hatte Zeit und unserem Abenteuer-Trip stand also nichts mehr im Wege. Es war Juni 1992 (eigentlich Sommer 1989 !!), die windigsten Monate in Fuerte standen uns also unmittelbar bevor. Der Passat entwickelt in Fuerteventura besonders im Juli und August seine volle Kraft.Ich hatte also noch ein paar Wochen Zeit, mein Surfmobil fit zu machen. Mit Steff schweisste ich noch einen Volvo-Sitz hinters Lenkrad, vergaß allerdings, mir eine Schweisserbrille aufzusetzen. Sein Tip, mir abends halbe Kartoffeln auf meine glühenden Augen zu legen, verhinderte Schlimmeres. Das Auto bekam noch ein paar Hokus Pokus und Easy Rider Sticker verpasst und war fortan reisefertig. Da Puschl aus Wien kam und ich aus Köln, verabredeten wir uns auf halber Strecke, na ja, zumindest noch in Deutschland, nämlich in Rosenheim. Ich fuhr also mit meinem Brummi los nach Rosenheim. Dort stand er auch schon, an der Tankstelle, mitsamt seinem Material, Board- und Segelbag, Koffer, Taschen usw. Komischerweise hatte die Polizei ihn für einen Tramper gehalten und ihn einer Ausweiskontrolle unterzogen. Fehlte nur noch das Pappschild „Fuerte“ vor seiner Brust…Nun begann sie also, unsere langersehnte Reise, DER Surfurlaub schlechthin. Fuerte, das Ziel aller Windsurfer, zumindest der Speedfreaks unter den Surfern, denn die anderen ziehen wahrscheinlich Hawaii vor. Da die Fahrt nach Cadiz recht lang zu werden schien, wechselten wir uns mit dem Fahren ab. So ungefähr bei Barcelona, ich hatte mich gerade hinten hingelegt und war eingeschlafen, gab es einen lauten Rumms und ich viel mitsamt Schlafsack vom Bett in Richtung Führerhaus. „Was ist los?“ fragte ich aufgeregt Puschl, nachdem ich nach vorne getorkelt war. „Äh, öh, ….. Leitplanke“, erwiderte mir ein soeben aufgewachter Fahrer. Das war er also, der Sekundenschlaf, über den der 7. Sinn immer wieder berichtete. War ja noch mal gut gegangen, außer einer verbeulten Stoßstange hat mein Surfmobil es überlebt. Die Stoßstange bogen wir auf der nächsten Raststätte mit einem Laternenmast und dem Abschleppseil wieder gerade. Die Fahrt konnte weitergehen. Nach zweieinhalb Tagen waren wir in Cadiz angekommen, vorbei an einem windlosen Tarifa und einem spiegelglatten Canos de Meca. Die Überfahrt mit der Fähre von Cadiz nach Fuerteventura, über Teneriffa und Gran Canaria, dauerte 3 Tage. Mit Hilfe eines Camping-Gaskochers verspeisten wir die erste von über 50 Ravioli-Dosen. Das ganze Auto war voller Ravioli-Dosen, wir hätten uns von Erasco sponsern lassen sollen. Nach nichtaufhören wollenden quälenden 3 langen Tagen erreichten wir endlich Fuerteventura, unser Ziel. Schon die ersten Tage bekamen wir die volle Passatkraft zu spüren. Zerrissene Segel, gebrochene Masten, lädierte Waden und Füße. Zum Glück hatten wir genug Ersatz fürs Material und Silvertape für die Füße dabei. Mein Camper stand direkt am Strand (damals war das Campen am Strand noch erlaubt, heute ist dies leider verboten), zusammen mit ein paar Franzosen, die in dort zelteten und einem deutschen Martin, der mit einem Kasten Milch in TetraPaks im Boardbag schlief. Wir luden ihn daraufhin zum Schlafen in unser Auto ein. Das Campen am Strand war wunderbar, wir konnten früh morgens und spät abends surfen, dann wenn die Touri-Surfer aus Jandia entweder noch nicht da waren oder schon wieder in Richtung Bettenburgen zurück waren. Nachdem auch Mausy (Uwe) uns noch besuchte, waren die 3 Musketiere vollzählig und konnten sich in die Schlacht um den besten Cheeseroll stürzen. In der Tat machten wir täglich dutzende Cheeserolls, die von Cesare Cantagalli erfunden über`s Segel gesprungene Frontloops. Einziges Problem dabei war, dass es meistens mit 9 Beaufort kachelte und die kleine Welle am Ende der Lagune nur in 50 cm hohem Wasser war, manche Landungen also etwas unsanfter verliefen. Marocco Im Sommer 1989 war ich mit meinen Eltern im Club Med in Agadir, Marokko und lernte dort den derzeitigen Surflehrer des Clubs kennen, Rachid Roussafi. Rachid lud mich für das nächste Jahr in seine Villa in Essaouira ein. Im August 1990 flogen wir (Puschl, Bodo und ich) nach Marokko. In Agadir nahmen wir uns den billigsten Mietwagen, den wir finden konnten, einen Renault R4 und wir hatten auch noch Glück. Von Agadir bis Essaouira verbrauchten wir nur einen Reifen und einen Keilriemen, aber wir kamen an. Am Strand trafen wir auch dann sofort Rachid, der uns zu seiner Villa begleitete. Wir hatten natürlich keine Unterkunft gebucht, denn Rachid`s Villa stand ja für uns bereit. Der Weg zur Villa kam uns aber recht merkwürdig vor, die Strassen wurden immer schlechter, die Häuser verfallener und rechts und links kroch der beissende Geruch von Mülldeponien in unser Auto.Und dann waren wir da! Eine kleine verfallene Häusersiedlung mit Müllplätzen rundum und seine „Villa“ in der Mitte. Das war sie nun, die Villa: Eine Garage mit 4 Matrazen, einem Tisch in der Mitte und einer Kerze auf dem Tisch! Ratten inklusive. Rachid hatte sich zwar Mühe gegeben, die Matratzen für uns organisiert, aber sollten wir hier wirklich 2 Wochen (über)leben? Wir brauchten jetzt erst mal ein kühles Bier. Wir fuhren also zum Strand und checkten erst einmal die Lage. Was sollen wir machen? Wirklich zwei Wochen in dieser Garage leben? Rachid hatte sich ja Mühe gegeben, aber wir würden mehr von Durchfall geplagt sein als Zeit zum Surfen zu haben. Eine Toilette war übrigens nicht vorhanden. Wir trafen auf ein deutsche Pärchen und erhielten eine Info für günstige Appartments. Das war die Lösung, eine Wohnung mit Toilette, herrlich. Das Appartment war auch in Ordnung, wir luden Rachid und seinen Cousin zu uns ein und wohnten alle zusammen in dem Appartment mit marokkanischer Toilette, sprich Plumsklo. Essaouira war ein hervorragendes Surfrevier und wir hatten viel Spaß, sind Cheesrolls gesprungen und haben Segel zerkleinert. Nach 1 Woche hatten wir auch ein Restaurant mit europäischer Toilette ausfindig gemacht, welches wir wegen des obligatorischen Durchfalls auch dringend brauchten. Als Dank, dass Rachid bei uns kostenlos wohnen durfte, lud er uns am Ende des Urlaubs in das Haus seiner Eltern in Agadir ein, wo wir ein köstliches Mahl mit viel Couscous und viel Liebe von seiner Mutter zubereitet zu uns nahmen. Rachid ist heute ein erfolgreicher Surfer mit eigener Surfschule in Dakhlar (Marokko) und Berichten über ihn in der „surf“.

Aus dem Leben eines Windsurfers 1. Fahrt und Ankunft Kamperland 2. Surfen am Veersemeer 3. Fuerteventura Fahrt und Ankunft Kamperland Rummms….. „Jesus Christ, what was that?“, dachte ich bei mir und schaute Heiko an. Mit einem mächtigen Krach waren wir nach ein paar Metern wieder auf der Straße gelandet. Was war passiert? Heiko und ich saßen in meinem Suzuki mit dem selfmade Windsurf-Anhänger, auf dem wir 4 Surfbretter samt Masten und Gabeln verstaut hatten. Wir fuhren gerade durch Kapellen durch. Oder war es schon Putte? Auf jeden Fall eines dieser kleinen Orte, die durch die niederländisch-belgische Grenze geteilt sind und wo der Grenzübergang nur durch das Schild „Douane“ erkennbar ist. Es war schon spät und die Straßen waren menschenleer und es mag sein, dass wir die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h etwas überschritten haben. Ich möchte mich da jetzt nicht mehr festlegen. Auf jeden Fall war diese Strecke für uns neu, denn es war mein erster Surf-Trip mit eigenem Auto, kurz nach meinem 18. Geburtstag. Und somit wussten wir auch nicht, dass mitten über die Hauptstrasse ein unbeschrankter Bahnübergang geht, welcher dem Straßenniveau etwas angehoben ist. Genau soviel, dass es ausreicht ca. 5 Meter weit mit unserem Surfgespann zu fliegen. Und als ich gerade anfangen wollte, mein Leben Revue passieren zu lassen, landeten wir schon wieder auf der Straße, deren Fahrbahnbelag sich jetzt von Teer zu Pflastersteinen geändert hatte, was das Bremsen deutlich erschwerte. Unser erster Gedanke nach der Landung war: „Die Bretter!“ Hoffentlich ist noch alles ganz. Wir hielten also an und vergewisserten uns, dass die Surfbretter nichts abbekommen hatten. Jörg und Stefan, die uns in Jörg´s rotem Fiesta folgten, hielten ebenfalls an und fragten, ob alles ok sei. „Klar, weiter“, grinste ich Ihnen nur entgegen. Wir konnten ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, dass der Anhänger nicht für Flüge konzipiert war und deshalb die vordere Brettstütze, die wie ein V aussah und auf der Längsachse montiert war, langsam Ihren Geist aufgab. Also fuhren wir weiter, Richtung Veersemeer. Laut meinen Angaben sollten wir das holländische Meer in ca. 1 Stunde erreichen. Wir waren ja schon 3 Stunden von Köln aus unterwegs und meine Angaben waren auch fast immer richtig. Außer in Aachen, als Jörg an mir vorbeifuhr und mir etwas mitteilen wollte. Ich dachte, er wollte Kaffee, denn ich hatte einen Camping-Kaffeekocher im Auto und Heiko bereitete gerade den Kaffee zu. In Wirklichkeit aber wollte Jörg mir nur sagen, dass ich in Richtung Aachen Innenstadt unterwegs war und nicht die Abfahrt Richtung Holland genommen hatte, was aber nur an den falschen Europa-Kennummern der Autobahnen in meiner Straßenkarte lag.   Um 23:00 Uhr kamen wir dann endlich in Kampland am Veersemeer an. Ich hatte über das Telefon ein Hotel gebucht. Wir checkten also ein und wollten daraufhin noch etwas essen, aber die Hotel-Küche war schon zu. Also setzten wir uns auf unser Zimmer und sprachen über unseren ersten gemeinsamen Surftag, der in wenigen Stunden folgen sollte. Wir hatten Hunger und Durst, aber das Einzige, was wir in unseren Taschen fanden, waren Gummibärchen, eine Flasche Whiskey und Cola. Hmm.. also Whiskey-Cola. Wenn wir früher schon Red Bull gekannt hätten, hätten wir wahrscheinlich auch die Gummibärchen ins Glas geschmissen und es so Red Bull Whiskey getauft. Aber in Deutschland gab´s Red Bull zu dieser Zeit noch nicht, weil da wahrscheinlich wieder irgendetwas drin war, was unserem Gehirn schaden könnte. Und so ließ man zunächst Red Bull den Österreichern vorbehalten, da konnte es ja nicht mehr viel anrichten. Die Stunden vergingen und wir redeten immer weiter, bis auf einmal ein Mann in der Tür erschien, sich als Hotelinhaber ausgab und uns höflich bat, das Hotel am nächsten Morgen wieder zu verlassen, weil unsere Stimmlage doch wohl etwas zu laut war und – gemäß dem Inhaber – das Gemüt einiger Hotelgäste erhitzt hätte. Surfen am Veersemeer Da standen wir dann also am nächsten Morgen: 4 Surfbretter, 4 Masten, 4 Gabeln, mehrere Segel, Kleinkram und Koffer… und kein Hotel…. „Jetzt gehen wir erst einmal surfen“, gab Jörg von sich. Und so fuhren wir zum nahen Veersemeer und packten unser Surfmaterial aus. Der Wind war noch schwach, zu schwach, also entschieden Heiko und ich, dass wir in der Zwischenzeit mal nach einer neuen Bleibe Ausschau halten würden. Irgendwo mussten wir ja übernachten. Wir fuhren also zum VVV, dem holländischen Fremdenverkehrsverein und fragten dort, ob es eine Übernachtungsmöglichkeit gäbe. „Nichts zu machen, es ist Pfingsten!“, teilte uns die nette Dame in Rudi-Carell-Deutsch mit. Wir warteten und machten ein Gesicht, als wenn wir gleich erstochen würden, um vielleicht doch noch Erbarmen in ihr aufkommen zu lassen. Nach erneuter Anfrage sagte sie uns, dass es noch ein kleines Haus gäbe, der Standard aber nicht sehr hoch sei und das Haus recht klein wäre. Und der Preis? 100 Gulden? Pro Tag? „Nein, für 5 Tage“, wiedersprach sie uns. 100 Gulden für  Tage….perfekt! Ist gebonkt. Zurück am See war die Freude groß und Jörg meinte nur, dass da irgendein Haken sein müsste, 100 Gulden für 5 Tage sei nicht realistisch. Wir packten also unsere Sachen, es war ja sowieso kein Wind und fuhren in dieses kleine Dorf, Richtung neues Heim. Da stand es, unser kleines Haus. Der erste Eindruck entsprach genau Heiko`s Ausschrei: „Geil!“ Das wird unser neues Surferheim. Das Wohnzimmer war recht groß, Küche und Badezimmer immer noch groß genug. Eine sehr steile Treppe mit dickem Tau als Geländer entfremdet führten hoch zum Schlafzimmer. Vier Materassen und ein Bett. Das reicht, super!Das Haus war nett eingerichtet, eine alte Singer Nähmaschine aus Annodazumal und eine Leder-Couch Garnitur. Wir konnten gar nicht verstehen, dass der Inhaber nur 100 Gulden für 5 Tage haben wollte. Erst, als Stefan aus der Dusche kam und meinte, wir müssten noch Anti-Kakalaken Spray kaufen und wir dann auch noch feststellten, dass eine Seite der Decke nach unten, die andere Seite aber nach oben gewölbt waren, fragten wir uns, ob 100 Gulden nicht vielleicht doch etwas zu viel gewesen wären…. Trotzdem fuhren wir frischen Mutes zum See und wollten nun endlich surfen. Endlich die langersehnte Powerhalse und den Wasserstart lernen. Das Veersemeer ist der ideale Platz, um diese Manöver zu erlernen, denn man kann fast überall stehen und wenn man abtreibt, landet man höchstens auf der gegenüberliegenden Seite des Sees. Trotzdem herrscht auf dem See oft sehr viel Wind vor und es baut sich sogar eine kleine Welle auf. Das Veersemeer ist von der Nordsee nur durch einen Deich getrennt und somit zieht es viele Surf-Enthusiasten an, die sich zunächst im See austoben, um dann in der Nordsee mit dem Board baden zu gehen. So tobten auch wir uns im Binnenmeer aus, mit Bierflaschen bewaffnet traten wir zum Kampf der Gewalten an. Mensch gegen Material, also Bölkstoff. Aber wir hatten unseren Spaß und verbrachten unseren ersten Surfertag zwar windlos, aber vergnügt und befriedigt. Morgen ist bestimmt Hack! Und es kam wie es sollte. Geweckt wurde ich durch Stefan`s lauten Ausruf „Wiiiiind“. „Watt iss? Hammwa Hack?“, fragte ich Stefan in einer verkölschten Surfersprache, gerade aus meiner Rem-Phase entrissen. „Ja, der Ast hat sich gerade bewegt!“, teilte er mir lächelnd mit. Na super, bitte Petrus sagen, er möchte sich noch ein paar Stunden gedulden, ich muss noch wach werden. So fuhren wir also mitsamt dem Material zum See, unserem ersten gemeinsamen Surftag entgegen.  Der Wind war noch schwach und Heiko noch im Tiefschlaf und wohl noch nicht ganz Herr seiner 6 Sinne, anders könnte man seinen Ausschrei am See vor allen Leute mit gestreckten Armen gen Himmel wohl nicht erklären: „Petrus, blas mir einen!“ Ich hoffte nur, dass die Holländer nicht so gut Deutsch verstünden, um diesen zweideutigen Ausruf nicht als Kriegsaufforderung mißzuverstehen. Doch nach Betrachten der Auto-Kennzeichen ringsherum fragte ich mich, ob wir tatsächlich in Holland sind oder zwischen Dortmund und Essen.Der Wind war noch zu schwach und wir legten uns ins Gras und hörten „Udo Lohmeier“, eines unserer Lieblingsstücke auf Jürgen von der Lippe`s Kassette. Wenn Jürgen von der Lippe wüsste, wie sehr er unsere Jugend geprägt hat…Der Wind frischte auf und so bauten wir unser Material auf. Jörg seinen 350er Marlin, Stefan den F2 Bullit, ich meine Fanatic Viper und Heiko… surfte der auch? Ach ja, er hatte einen selbstgebauten Sinker und merkte gleich am ersten Tag, dass ein Sinker Sinker heißt, weil er sinkt.Ich baute mein von Aki ausgeliehenes 7er Segel auf und wir machten erst einmal ein paar Trockenübungen auf der Wiese. So geht also die Halse… gut. Das probieren wir später auf dem Wasser aus. Der Wind frischte tatsächlich auf und das 7er Segel musste natürlich gegen ein 5er eingewechselt werden. So verbrachten wir unseren ersten gemeinsamen Surftag auf dem Veersemeer, meist unter dem Brett oder Segel, aber wir lernten eine Menge dazu. Zum Beispiel, dass man sich in starken Böen besser aus dem Trapez aushängen sollte, weil – für den Betrachter zwar immer wieder ein spektakulärer Anblick – für die Knochen aber ein kapitaler Schleudersturz mit eingehängtem Trapez einen bösen und bekannten Ausgang haben kann, nämlich dem Gang zur Apotheke, um Mobilat zu kaufen.Mit geschundenen Knochen, aber mit bis über beide Ohren strahlendem Gesicht packten wir unser Material am Ende des Tages zusammen und traten unseren Heimweg zum Surferhaus an. „Rummms!“ Schon wieder?? Was war das? Ein Bahnübergang? Aber wir sind doch noch auf dem Parkplatz. Das darf doch nicht wahr sein, dachte ich und sprang aus meinem Auto raus. Da hatten die Käsköppe doch tatsächlich 50cm hohe Pflöcke in die Erde gehauen, um die Parkplätze abzugrenzen! Der Parkplatz war voller Autos und die Pflöcke nicht zu erkennen, da sie hinter den Autos versteckt waren. So, nun hatte ich also auch noch eine Beule in der vorderen Stoßstange. Der erste Surftag war geschafft. In den weiteren Tagen lernten wir dank der tollen Bedingungen viele Manöver und besser surfen. Die Powerhalse, die allerdings noch mehr Halse als Power war, gelang schon nach 2 Tagen. Das tolle Pfingstwetter und die Beschaffenheit des Sees taten ihr Übriges dazu. Besonders die Tatsache, dass man in dem See an vielen Stellen stehen konnte, half uns den Wasserstart in den 2 darauf folgenden Tagen zu erlernen. Obwohl ich surfen schon mit 9 Jahren gelernt hatte, waren dies meine 2 einschneidigsten Erfolge in meiner Surferkarriere. Wasserstart und Halse sind die Grundvoraussetzung für`s Funboard Fahren und von da an veränderte sich meine Surf-Karriere. Wenn ich zurückdenke, wie schwer ich es noch ein paar Jahre vorher hatte, als ich versuchte mit dem Mistral Competition eine Halse zu fahren. Meine Kraft reichte damals nur zur Wende und Fußschlaufen gab es schon gar nicht. Obwohl der Competition schon eine Stufe besser war als mein Vorgänger-Surfbrett, der Mistral Allround, den eine Gummikante rund um das Brett herum unverwechselbar verzierte. Fuerteventura Ich hatte mir endlich mein langersehntes Surfermobil gekauft: Einen Merzedes 508D als Camper ausgebaut, 7 Meter lang mit Nasszelle, Webasto Standheizung und Leiter zum Aufstieg aufs Dach mit den 4 Dachgepäckträgern. Zwar gab es ab und an mal Parkplatz-Schwierigkeiten, besonders in Bad Waldliesborn, dem kleinen Kurort, indem ich studiert habe. Bad Waldliesborn (nahe Lippstadt) hat nur eine grössere Strasse durch den Ort und diese war voll von Schwellen, wie sie in verkehrsberuhigten Zonen eingesetzt werden. Mein 5-Tonner flog mit einer so grossen Leichtigkeit über diese Bodenwellen, daß jedesmal das Geschirr aus dem Schrank fiel. „Walibo“, wie wir Studenten Bad Waldliesborn liebevoll nannten, war also nicht der richtige Übungsplatz für mein Surfmobil. Ein härteres Übungsgelände musste her! Sand, Strand, Dünen, Wind und Wasser. Das brauchte mein Gefährt. Und wo gibt es alle diesen Naturerscheinungen zusammen? „Sotavento“ schoss es mir sofort durchs Gehirn. Sotavento ist die Landenge im Süden Fuerteventuras, durch welche der Passat-Wind verstärkt hindurchfegt und Mensch und Surfbrett mit bis zu 8 Beaufort bereichert und strapaziert. Aber vor Allem auch mein Auto! Der Plan war geschmiedet, sobald ich mein Studium in der Tasche habe, soll´s losgehen, auf die Kanaren. Ich besprach die Reise mit meinem Surfer-Freund Puschl aus Wien. Er war sofort Feuer und Flamme und folglich mit von der Partie. Wir hatten also nur noch ein winzigkleines Problem: Den Uni-Abschluss…Viele Monde verstrichen, ja sogar mehrere Vollmonde… der Uni Abschluss war immer noch nicht in greifbare Nähe gerückt. Doch dann kam die rettende Lösung: ich beschloss, den zweiten Teil meines Studiums in den USA fortzusetzen. Die Termine wollten es so, daß ich bis zur Abreise nach Amerika noch ein paar Monate Zeit hatte, also war die Entscheidung schnell getroffen: jetzt oder nie! Ab nach Fuerte! Puschl hatte Zeit und unserem Abenteuer-Trip stand also nichts mehr im Wege. Es war Juni 1992 (eigentlich Sommer 1989 !!), die windigsten Monate in Fuerte standen uns also unmittelbar bevor. Der Passat entwickelt in Fuerteventura besonders im Juli und August seine volle Kraft.Ich hatte also noch ein paar Wochen Zeit, mein Surfmobil fit zu machen. Mit Steff schweisste ich noch einen Volvo-Sitz hinters Lenkrad, vergaß allerdings, mir eine Schweisserbrille aufzusetzen. Sein Tip, mir abends halbe Kartoffeln auf meine glühenden Augen zu legen, verhinderte Schlimmeres. Das Auto bekam noch ein paar Hokus Pokus und Easy Rider Sticker verpasst und war fortan reisefertig. Da Puschl aus Wien kam und ich aus Köln, verabredeten wir uns auf halber Strecke, na ja, zumindest noch in Deutschland, nämlich in Rosenheim. Ich fuhr also mit meinem Brummi los nach Rosenheim. Dort stand er auch schon, an der Tankstelle, mitsamt seinem Material, Board- und Segelbag, Koffer, Taschen usw. Komischerweise hatte die Polizei ihn für einen Tramper gehalten und ihn einer Ausweiskontrolle unterzogen. Fehlte nur noch das Pappschild „Fuerte“ vor seiner Brust…Nun begann sie also, unsere langersehnte Reise, DER Surfurlaub schlechthin. Fuerte, das Ziel aller Windsurfer, zumindest der Speedfreaks unter den Surfern, denn die anderen ziehen wahrscheinlich Hawaii vor. Da die Fahrt nach Cadiz recht lang zu werden schien, wechselten wir uns mit dem Fahren ab. So ungefähr bei Barcelona, ich hatte mich gerade hinten hingelegt und war eingeschlafen, gab es einen lauten Rumms und ich viel mitsamt Schlafsack vom Bett in Richtung Führerhaus. „Was ist los?“ fragte ich aufgeregt Puschl, nachdem ich nach vorne getorkelt war. „Äh, öh, ….. Leitplanke“, erwiderte mir ein soeben aufgewachter Fahrer. Das war er also, der Sekundenschlaf, über den der 7. Sinn immer wieder berichtete. War ja noch mal gut gegangen, außer einer verbeulten Stoßstange hat mein Surfmobil es überlebt. Die Stoßstange bogen wir auf der nächsten Raststätte mit einem Laternenmast und dem Abschleppseil wieder gerade. Die Fahrt konnte weitergehen. Nach zweieinhalb Tagen waren wir in Cadiz angekommen, vorbei an einem windlosen Tarifa und einem spiegelglatten Canos de Meca. Die Überfahrt mit der Fähre von Cadiz nach Fuerteventura, über Teneriffa und Gran Canaria, dauerte 3 Tage. Mit Hilfe eines Camping-Gaskochers verspeisten wir die erste von über 50 Ravioli-Dosen. Das ganze Auto war voller Ravioli-Dosen, wir hätten uns von Erasco sponsern lassen sollen. Nach nichtaufhören wollenden quälenden 3 langen Tagen erreichten wir endlich Fuerteventura, unser Ziel. Schon die ersten Tage bekamen wir die volle Passatkraft zu spüren. Zerrissene Segel, gebrochene Masten, lädierte Waden und Füße. Zum Glück hatten wir genug Ersatz fürs Material und Silvertape für die Füße dabei. Mein Camper stand direkt am Strand (damals war das Campen am Strand noch erlaubt, heute ist dies leider verboten), zusammen mit ein paar Franzosen, die in dort zelteten und einem deutschen Martin, der mit einem Kasten Milch in TetraPaks im Boardbag schlief. Wir luden ihn daraufhin zum Schlafen in unser Auto ein. Das Campen am Strand war wunderbar, wir konnten früh morgens und spät abends surfen, dann wenn die Touri-Surfer aus Jandia entweder noch nicht da waren oder schon wieder in Richtung Bettenburgen zurück waren. Nachdem auch Mausy (Uwe) uns noch besuchte, waren die 3 Musketiere vollzählig und konnten sich in die Schlacht um den besten Cheeseroll stürzen. In der Tat machten wir täglich dutzende Cheeserolls, die von Cesare Cantagalli erfunden über`s Segel gesprungene Frontloops. Einziges Problem dabei war, dass es meistens mit 9 Beaufort kachelte und die kleine Welle am Ende der Lagune nur in 50 cm hohem Wasser war, manche Landungen also etwas unsanfter verliefen. Marocco Im Sommer 1989 war ich mit meinen Eltern im Club Med in Agadir, Marokko und lernte dort den derzeitigen Surflehrer des Clubs kennen, Rachid Roussafi. Rachid lud mich für das nächste Jahr in seine Villa in Essaouira ein. Im August 1990 flogen wir (Puschl, Bodo und ich) nach Marokko. In Agadir nahmen wir uns den billigsten Mietwagen, den wir finden konnten, einen Renault R4 und wir hatten auch noch Glück. Von Agadir bis Essaouira verbrauchten wir nur einen Reifen und einen Keilriemen, aber wir kamen an. Am Strand trafen wir auch dann sofort Rachid, der uns zu seiner Villa begleitete. Wir hatten natürlich keine Unterkunft gebucht, denn Rachid`s Villa stand ja für uns bereit. Der Weg zur Villa kam uns aber recht merkwürdig vor, die Strassen wurden immer schlechter, die Häuser verfallener und rechts und links kroch der beissende Geruch von Mülldeponien in unser Auto.Und dann waren wir da! Eine kleine verfallene Häusersiedlung mit Müllplätzen rundum und seine „Villa“ in der Mitte. Das war sie nun, die Villa: Eine Garage mit 4 Matrazen, einem Tisch in der Mitte und einer Kerze auf dem Tisch! Ratten inklusive. Rachid hatte sich zwar Mühe gegeben, die Matratzen für uns organisiert, aber sollten wir hier wirklich 2 Wochen (über)leben? Wir brauchten jetzt erst mal ein kühles Bier. Wir fuhren also zum Strand und checkten erst einmal die Lage. Was sollen wir machen? Wirklich zwei Wochen in dieser Garage leben? Rachid hatte sich ja Mühe gegeben, aber wir würden mehr von Durchfall geplagt sein als Zeit zum Surfen zu haben. Eine Toilette war übrigens nicht vorhanden. Wir trafen auf ein deutsche Pärchen und erhielten eine Info für günstige Appartments. Das war die Lösung, eine Wohnung mit Toilette, herrlich. Das Appartment war auch in Ordnung, wir luden Rachid und seinen Cousin zu uns ein und wohnten alle zusammen in dem Appartment mit marokkanischer Toilette, sprich Plumsklo. Essaouira war ein hervorragendes Surfrevier und wir hatten viel Spaß, sind Cheesrolls gesprungen und haben Segel zerkleinert. Nach 1 Woche hatten wir auch ein Restaurant mit europäischer Toilette ausfindig gemacht, welches wir wegen des obligatorischen Durchfalls auch dringend brauchten. Als Dank, dass Rachid bei uns kostenlos wohnen durfte, lud er uns am Ende des Urlaubs in das Haus seiner Eltern in Agadir ein, wo wir ein köstliches Mahl mit viel Couscous und viel Liebe von seiner Mutter zubereitet zu uns nahmen. Rachid ist heute ein erfolgreicher Surfer mit eigener Surfschule in Dakhlar (Marokko) und Berichten über ihn in der „surf“.